Jeremy Bamber: 39 Jahre Haft für fünf Morde
Der Fünffachmord auf der White House Farm

Der Fünffachmord auf der White House Farm

Jeremy Nevill Bamber wurde im Oktober 1986 für den Mord an fünf Mitgliedern seiner Adoptivfamilie auf der White House Farm in Tolleshunt D'Arcy, Essex, verurteilt. Der am 13. Januar 1961 als Jeremy Paul Marsham geborene Brite verbüßt seit fast vier Jahrzehnten eine lebenslange Haftstrafe ohne Aussicht auf Bewährung – und beteuert bis heute seine Unschuld.
In der Nacht zum 7. August 1985 wurden fünf Menschen erschossen: Bambers Adoptiveltern Nevill und June Bamber, seine Adoptivschwester Sheila Caffell sowie ihre sechsjährigen Zwillingssöhne Nicholas und Daniel. Der Fall entwickelte sich zu einem der berüchtigsten Familienmorde in der britischen Kriminalgeschichte.
Die Staatsanwaltschaft argumentierte, Bamber habe die fünf Personen getötet, um sich ein geschätztes Erbe von 436.000 Pfund sowie Grundbesitz und einen Campingplatz zu sichern. Laut Anklage platzierte er das Gewehr in den Händen seiner Schwester Sheila, um einen erweiterten Suizid vorzutäuschen – dabei nutzte er aus, dass bei ihr kurz zuvor Schizophrenie diagnostiziert worden war.
Der Chelmsford Crown Court sprach Bamber mit zehn zu zwei Stimmen schuldig. Er erhielt fünf lebenslange Haftstrafen mit einer Mindestverbüßungsdauer von 25 Jahren. 1994 wurde seine Strafe in eine "whole-life order" umgewandelt – das bedeutet lebenslange Haft ohne jede Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung.
Eine zentrale Belastungszeugin war Bambers Ex-Freundin Julie Mugford. Sie sagte aus, Bamber habe damit gedroht, seine Familie zu töten, und sogar darüber gesprochen, einen Auftragskiller zu engagieren.
Jeremy Bamber hat seine Unschuld von Anfang an beteuert und im Laufe der Jahre zweimal erfolglos Berufung eingelegt. Stand 2025 hat er 39 Jahre im Gefängnis verbracht und gehört damit zu den am längsten inhaftierten Gefangenen Großbritanniens.
Ein Großteil der Zweifel am Urteil bezieht sich auf forensische Beweise. Besonders umstritten sind ein Schalldämpfer mit Sheilas Blut sowie ballistische Gutachten, die nach Ansicht einiger Experten auf seine Unschuld hindeuten könnten. Diese Aspekte sind Gegenstand anhaltender Debatten unter Kriminalisten und Justizaktivisten.
Trotz der rechtskräftigen Verurteilung bleiben Fragen offen. Kritiker des Urteils verweisen auf Ungereimtheiten in der Beweisführung und fordern eine erneute Überprüfung des Falls. Befürworter der Verurteilung hingegen sehen die Beweislage als eindeutig an und verweisen auf die Aussage der Ex-Freundin sowie die Motivlage.
Der Fall White House Farm bleibt einer der kontroversesten Kriminalfälle Großbritanniens – eine Geschichte von familärer Tragödie, forensischen Kontroversen und der Frage nach Gerechtigkeit, die bis heute nicht verstummt ist.