Besonders aufsehenerregend war die sogenannte Sponsoringkonstruktion: Über ein Bauunternehmen wurden zusätzliche Mittel als Sponsoring an den Fußballverein Ajax Farum geleitet, sodass die Zahlungen formal nicht direkt aus dem kommunalen Haushalt stammten. So konnte der Sport in Farum massiv subventioniert werden, ohne dass die wahren finanziellen Verhältnisse transparent wurden.
Hinzu kamen Vorwürfe persönlicher Bereicherung: Brixtofte soll kommunale Mittel für aufwendige Reisen, exklusive Restaurantbesuche und teure Weine verwendet haben. Die Bilder ausgedehnter Geschäftsessen und teurer Bordeaux-Weine prägten das öffentliche Bild der Affäre nachhaltig. Bereits in der ersten Berichterstattung wurden 23 Personen im Brixtofte-Komplex angeklagt — ein in Dänemark beispielloser Umfang für eine Kommunalaffäre.
Die Opfer
Im strafrechtlichen Sinn gab es keine namentlich benannten Einzelopfer. Geschädigt wurden vielmehr die Gemeinde Farum als juristische Person und damit die rund 18.000 Einwohner und Steuerzahler. Nach dem Auffliegen der Affäre stand die Kommune vor einer dramatischen finanziellen Schieflage; mehrere Sparrunden, höhere Steuern und letztlich die Eingliederung in die größere Furesø-Gemeinde im Rahmen der dänischen Kommunalreform 2007 waren Folgen, die direkt mit den Hinterlassenschaften der Brixtofte-Ära zusammenhingen.
Darüber hinaus beschädigte der Fall das Vertrauen in die kommunale Selbstverwaltung in Dänemark erheblich und wurde zu einem Referenzfall für Forschung über kommunale Korruption im skandinavischen Raum.
Ermittlung
Die Ermittlungen begannen Anfang 2002, als Medien über die Sponsoringpraxis und ausschweifende Spesen berichteten. Brixtofte trat im Februar 2002 als Bürgermeister zurück. Daraufhin nahmen die dänische Wirtschaftspolizei (Bagmandspolitiet) sowie der zuständige Staatsanwalt für besondere Wirtschaftskriminalität die Arbeit auf. Sie analysierten kommunale Buchhaltung, Bankunterlagen, Verträge mit Bauunternehmen und Sponsoringvereinbarungen.
Eine zentrale Rolle spielte die Aufarbeitung der internen Genehmigungspraxis: Wer hatte wann welche Kredite gegengezeichnet, welche Rolle spielte der damalige Gemeindedirektor Leif Frimand, und inwieweit waren externe Berater eingebunden? Die Ermittlungen offenbarten ein Netz aus politischer Macht, persönlicher Loyalität und schwacher Kontrolle, das die Vorgänge über Jahre möglich gemacht hatte. Eine spätere dokumentarische Aufarbeitung zeichnet die Strukturen detailliert nach.
Prozess und Urteil
Der Hauptprozess gegen Peter Brixtofte führte 2006 zur Verurteilung zu zwei Jahren unbedingter Haft durch das zuständige Amtsgericht. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Brixtofte vorsätzlich gegen die Vorschriften der kommunalen Haushaltsführung verstoßen und seine Amtspflichten verletzt hatte. Auch die Konstruktion über das Sponsoring an Ajax Farum wurde als Umgehung der kommunalen Finanzregeln gewertet.
In nachfolgenden Verfahren wurden weitere Beteiligte verurteilt, darunter Personen aus der kommunalen Verwaltung sowie Geschäftspartner, die in die Kreditgeschäfte und Sponsoringströme eingebunden waren. Der Fall gilt damit als aufgeklärt und juristisch abgeschlossen.
Heute
Die Brixtofte-Sagen wird in Dänemark bis heute als warnendes Beispiel für die Risiken konzentrierter Macht in der Kommunalpolitik diskutiert. Sie führte zu Reformen der kommunalen Aufsicht, zu strengeren Anforderungen an die Buchführung und zu einer kritischeren Berichterstattung über lokale Verwaltungspraktiken. Peter Brixtofte verstarb 2016. Sein Fall ist Gegenstand mehrerer Bücher, Dokumentationen und akademischer Studien und bleibt fester Bestandteil des dänischen Diskurses über Korruption und politische Verantwortung.