
Making a Murderer — Die Doku, die Streaming zu Aktivismus machte
Im Dezember 2015 löste eine Netflix-Dokumentation eine globale Bewegung aus
Als Netflix zur Waffe im Kampf für Gerechtigkeit wurde
Als Netflix im Dezember 2015 die Dokumentarserie Making a Murderer veröffentlichte, ahnte niemand, welches Erdbeben die True-Crime-Welt und das amerikanische Justizsystem erschüttern würde. Unter der Regie von Laura Ricciardi und Moira Demos folgte die Serie Steven Avery und seinem 16-jährigen Neffen Brendan Dassey durch einen der umstrittensten Mordfälle der modernen amerikanischen Rechtsgeschichte — ein Fall, dessen Dokumentation 10 Jahre dauerte.
Steven Avery hatte bereits 18 Jahre im Gefängnis verbracht für eine Vergewaltigung, die er nicht begangen hatte. Als er 2003 freigelassen wurde, erhob er eine Schadensersatzklage über 36 Millionen Dollar gegen Manitowoc County in Wisconsin wegen unrechtmäßiger Inhaftierung. Zwei Jahre später wurde er wegen des Mordes an der Fotografin Teresa Halbach verhaftet — ein zeitliches Zusammentreffen so verdächtig, dass es zum zentralen Narrativ der Serie wurde.
Brendan Dasseys Verhör — ein Fall von Machtmissbrauch
Was die Zuschauer am meisten erschütterte, war nicht Steven Averys Fall, sondern die Behandlung seines Neffen Brendan Dassey. Der 16-jährige Junge mit Lernschwierigkeiten wurde stundenlang ohne Anwalt oder Erziehungsberechtigten verhört. Auf den Aufnahmen der Verhöre sahen Millionen von Zuschauern, wie die Polizei Techniken einsetzte, die den mental verletzlichen Teenager dazu brachten, die Beteiligung an einem Mord zu gestehen.
Dasseys Geständnis wurde zum tragenden Beweis gegen ihn und Steven Avery, obwohl es voller Unstimmigkeiten und Details war, die nicht mit der physischen Beweislage übereinstimmten.


