Tobias Rathjen – Hanau-skyderi 2020
Schütze des Hanau-Attentats 2020

Schütze des Hanau-Attentats 2020

Tobias Rathjen war ein deutscher Schütze, der am 19. Februar 2020 in Hanau einen der schwersten rassistisch motivierten Anschläge in der deutschen Nachkriegsgeschichte verübte. Der damals 43-Jährige tötete in zwei Shisha-Bars neun Menschen, überwiegend mit Migrationshintergrund, bevor er sich selbst das Leben nahm. Sein Attentat hatte weitreichende Konsequenzen für die deutsche Sicherheitspolitik und Gesellschaftsdebatte.
In der Nacht des 19. Februar 2020 betrat Tobias Rathjen gegen 21:58 Uhr die Shisha-Bar "Midnight" in Hanau-Kesselstadt und eröffnete das Feuer. Fünf Menschen starben, fünf weitere wurden verletzt. Wenig später fuhr er zur Shisha-Bar "Arena" in der Hanauer Innenstadt, wo er erneut schoss und vier weitere Menschen tötete. Die Opfer waren: Ferhat Unvar (22), Gökhan Gültekin (24), Osman Kazak (25), Abdurrahim Özdemir (44), Satareh Nasirpour (40), Said Nesar Hashemi (34), Mercedes Kierpacz (35), Kaloyan Velkov (33) und Vili Viorel Păun (33).
Das Attentat folgte auf Shotokan-Karate-Training, das Rathjen in einem Fitnessstudio besucht hatte. Nach den Schießereien in Hanau fuhr er zu seiner Wohnung in Hanau-Lampertheim, wo er sich selbst erschoss. Die Polizei fand ihn und seine 72-jährige Mutter, die ebenfalls erschossen worden war, in der Wohnung.
Tobias Rathjen war in Hanau aufgewachsen und hatte sich zunehmend in extremistische Gedankenmuster und Verschwörungstheorien verstrickt. Ein handgeschriebenes Manifest mit 24 Seiten und mehrere Videos offenbarten ein wirres Weltbild, das von rassistischen und verschwörungstheoretischen Ideen durchdrungen war. Rathjen behauptete, dass es eine weltweite "Gehirnkontrolle" gebe und dass Menschen, die er als "asiatisch" klassifizierte, für die Probleme der Welt verantwortlich seien.
Obwohl Rathjen bereits in psychiatrischer Behandlung gewesen war und die Behörden einige seiner Aussagen kannten, wurde er nicht als unmittelbare Bedrohung eingestuft. Diese Lücke in der Früherkennung wurde später zu einem zentralen Punkt der Diskussion über Versäumnisse bei der Prävention extremistischer Gewalt.
Die Ermittlungen zu Hanau-Attentat waren außergewöhnlich intensiv. Sachsen-Anhalts Verfassungsschutz und andere Behörden wurden kritisiert, da Rathjen 2013 in den Fokus des Verfassungsschutzes geraten war, diese Überwachung aber später beendet wurde. Eine Untersuchungskommission wurde eingesetzt, um die Behördenfehler zu analysieren.
Das Manifest und die Video-Botschaften Rathjens zeigten ein Bild einer tief verstörten Person, deren wahnhafte Gedanken durch das Internet verstärkt wurden. Psychologische Gutachten posthum legten nahe, dass Rathjen an Psychose gelitten haben könnte, was jedoch seine rassistischen Überzeugungen nicht erklärte oder rechtfertigte.
Das Hanau-Attentat 2020 führte zu einer intensiven gesellschaftlichen Debatte über Rassismus, Islamophobie und die Gefahren von Verschwörungstheorien in Deutschland. Die Opfer stammten aus der Community der Migranten und Migranten mit türkischem, kurdischem und serbischem Hintergrund. Ihre Namen wurden zum Symbol für den institutionellen Rassismus und die Gefährdung von Minderheiten in Deutschland.
Der Rechtsextremismus in Deutschland erfuhr durch diesen Fall erneuerte politische Aufmerksamkeit. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte Hanau und drückte sein Beileid aus. Die Bundesregierung kündigte verstärkte Maßnahmen gegen extremismus und Hassverbrechen an.
Die Angehörigen der Opfer und verschiedene Bürgerinitiativen setzten sich dafür ein, dass das Andenken an die Getöteten gewahrt bleibt und dass die Behördenfehler aufgearbeitet werden. Der 19. Februar wurde zu einem Gedenktag. Die Stadt Hanau errichtete ein Denkmal für die Opfer, und die Diskussion über institutionelle Rassismus und Extremismus-Prävention hält an.