
Böse Spiele: 20.000 Akten enthüllen Justizirrtum im Fall Peggy
Journalist Marc Thiel rekonstruiert den Mord an Peggy Knobloch aus Originalakten und zeigt systematische Ermittlungsfehler
Quick Facts
Systematische Aufarbeitung eines Justizskandals
Marc Thiels Sachbuch "Böse Spiele — Der Fall Peggy in Akten und Verhören" präsentiert die umfassendste Dokumentation zum Mord an Peggy Knobloch, die je veröffentlicht wurde. Der investigative Journalist, der den Fall seit 1997 verfolgt, hat über 20.000 Seiten Gerichts- und Ermittlungsakten der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ausgewertet und zu einem 352-seitigen Sachbuch verdichtet. Das 2024 bei Riva erschienene Werk rekonstruiert nicht nur das Verschwinden der Zwölfjährigen am 7. Juli 1996 in Birkenfeld, sondern deckt systematische Ermittlungsfehler auf, die zur Verurteilung eines Unschuldigen führten.
Die Methodik Thiels unterscheidet das Buch von üblicher True-Crime-Literatur: Ausschließlich verifizierte Akteninhalte, Verhörprotokolle und offizielle Dokumente bilden die Grundlage. Nach § 147 StPO erhielt der Autor Zugang zu den kompletten Ermittlungsakten und verzichtete bewusst auf Spekulationen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte 2024 gegenüber dem ZDF, dass "das Buch Thiels auf authentischen Akten basiert und zur Aufklärung beiträgt". Diese Faktentreue macht "Böse Spiele" zu einem wichtigen Dokument für die juristische und kriminologische Aufarbeitung von Justizirrtümer.
Der Fall Peggy: Von der Verurteilung zur Rehabilitation
Peggy Knobloch verschwand am 7. Juli 1996 gegen 14:00 Uhr nahe ihrem Elternhaus im unterfränkischen Birkenfeld. Erst am 29. Juli 2001 wurde ihre mumifizierte Leiche in einem Waldstück bei Hohenroth gefunden, etwa fünf Kilometer vom Verschwinden entfernt. Die Todesursache war ein Schädelbasisbruch durch Gewalteinwirkung. Das Landgericht Würzburg verurteilte Ulvi Kulac am 17. September 2004 zu acht Jahren und sechs Monaten Haft wegen Mordes in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Kindern. Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil 2005 mit den Worten "Die Beweislage ist erdrückend".


