Die Planung des tödlichen Anschlags
Der verheerende Anschlag im März 1995 entstand nicht spontan. Asahara erhielt Hinweise aus der Führungsebene der Sekte, dass die japanische Polizei eine großangelegte Razzia gegen die Organisation plante. Statt sich auf seine bevorstehende Verhaftung vorzubereiten, befahl er den Nervengiftanschlag. Er glaubte, dass dieser Angriff das von ihm prophezeite Armageddon auslösen würde.
Die Aum-Shinrikyo-Sekte hatte bereits im Jahr zuvor Erfahrungen mit Sarin-Gas gesammelt. 1994 verübte die Gruppe einen ähnlichen Anschlag mit Sarin-Gas in der Stadt Matsumoto – eine Art Generalprobe für das, was in Tokio folgen sollte.
Der Tag des Terrors
Am Morgen des 20. März 1995 betraten fünf Sektenmitglieder verschiedene U-Bahn-Züge in Tokio. Sie trugen in Zeitungspapier eingewickelte Plastikbeutel mit flüssigem Sarin bei sich. Zur vereinbarten Zeit stachen sie mit spitzen Regenschirmen die Beutel auf und verließen die Züge. Das austretende Nervengift verbreitete sich schnell in den überfüllten Waggons.
Die Szenen, die sich abspielten, waren apokalyptisch: Menschen brachen zusammen, bekamen Krämpfe, erbrachen sich oder verloren das Bewusstsein. Das Chaos war perfekt. Rettungskräfte und Krankenhäuser waren völlig überfordert mit der schieren Anzahl an Opfern, die gleichzeitig eintrafen.
Die Jagd und Festnahme
Am 16. Mai 1995, knapp zwei Monate nach dem Anschlag, wurde Shoko Asahara schließlich festgenommen. Die Polizei fand ihn versteckt hinter einer Wand in einem Gebäude der Sekte, das als "The 6th Satian" bekannt war. Seine Festnahme markierte den Beginn einer umfassenden Polizeiaktion, bei der in den folgenden Wochen über 200 Sektenmitglieder verhaftet wurden.
Prozess und Hinrichtung
Vor Gericht wurden Asahara zusammen mit zwölf weiteren hochrangigen Mitgliedern der Sektenführung zum Tode verurteilt. Der Prozess zog sich über Jahre hin. Asahara selbst wurde am 6. Juli 2018 hingerichtet. Seine Hinrichtung markierte das Ende eines der grausamsten Kriminalfälle in der japanischen Geschichte.
Das Erbe der Sekte
Überraschenderweise wurde Aum Shinrikyo nach dem Anschlag nicht aufgelöst. Im Jahr 2000 benannte sich die Sekte in "Aleph" um und existiert bis heute weiter – allerdings ohne ihre ursprüngliche Führung. Die japanischen Behörden beobachten die Gruppe weiterhin eng, da Befürchtungen bestehen, dass die Organisation erneut gefährlich werden könnte.
Der Sarin-Anschlag von 1995 veränderte Japan nachhaltig. Die Nation, die sich bislang als relativ sicher vor Terrorismus wähnte, musste feststellen, dass auch sie nicht vor solchen Bedrohungen gefeit war. Die Ereignisse führten zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen in öffentlichen Verkehrsmitteln und einem neuen Bewusstsein für die Gefahren durch extremistische Gruppierungen.