Die interne Untersuchung, die die DUP daraufhin einleitete, förderte ein beunruhigendes Bild zutage: Die beschuldigten Beamten hatten ihr Vorgehen offenbar koordiniert und das Vertrauensverhältnis ausgenutzt, das eine Polizeiuniform naturgemäß zwischen Bürgern und Behörden schafft. Wenn die Opfer den Diebstahl bemerkten, war der Streifenwagen längst weitergefahren.
Die beschuldigten Beamten
Alle sechs beschuldigten Beamten waren zum Tatzeitpunkt im aktiven Dienst bei der Kopenhagener Polizei tätig. Keiner von ihnen war zum Zeitpunkt der Anklageerhebung vorbestraft oder wegen schwerwiegender Dienstpflichtverletzungen aktenkundig — was den Fall umso aufsehenerregender machte. Ihre Namen wurden zunächst im Interesse der laufenden Ermittlungen nicht veröffentlicht, doch die Medien berichteten landesweit ausführlich über den Vorfall.
Unmittelbar nach den Anschuldigungen wurden alle sechs Beamten mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Der Kopenhagener Polizeipräsident veröffentlichte eine offizielle Erklärung, in der er betonte, das beschriebene Verhalten stehe — sollten sich die Vorwürfe bestätigen — in absolutem Widerspruch zu den Werten der Polizei und dem Vertrauen, das die Bevölkerung ihr entgegenbringe.
Die Aussagen der Opfer
Mehrere der geschädigten Bürger traten an die Öffentlichkeit und schilderten, wie sie von Beamten unter dem Vorwand routinemäßiger Kontrollen angehalten worden waren. Im Zuge dieser Kontrollen seien ihnen angeblich Bargeld, Mobiltelefone und Schmuck abgenommen worden — in einigen Fällen verbunden mit Drohungen, damit sie schweigen sollten. Die Opfer berichteten, sie hätten sich zunächst nicht getraut, Anzeige zu erstatten, weil sie befürchteten, nicht geglaubt zu werden, wenn ausgerechnet die Polizei selbst hinter den Übergriffen steckte.
Dieser Aspekt des Falls — die erschreckende Hemmschwelle, Straftaten der Polizei zu melden — wurde zu einem zentralen Thema in der anschließenden Debatte über das Ansehen der Polizei und die tatsächlichen Möglichkeiten der Bürger, Gerechtigkeit zu erlangen.
Reaktionen aus Politik und Behörden
Der Fall löste starke Reaktionen im Justizministerium und im Rechtsausschuss des Folketing aus. Mehrere Politiker forderten eine gründliche Überprüfung der internen Kontrollmechanismen der Polizei und verlangten wirksamere Verfahren zur frühzeitigen Erkennung von Amtsmissbrauch. Der Justizminister wurde zu einer Befragung ins Parlament einbestellt und versicherte, das Ministerium werde den Fall eng verfolgen.
Die Reichspolizei (Rigspolitiet) kündigte unterdessen an, bestehende Verfahren zur internen Überwachung sowie Whistleblower-Regelungen zu überprüfen, um sicherzustellen, dass ähnliche Fälle künftig schneller aufgedeckt würden. Die Polizeigewerkschaft — die Berufsvertretung der dänischen Beamten — distanzierte sich scharf vom Verhalten der beschuldigten Kollegen und bezeichnete den Fall als Schandfleck für das gesamte Korps.
Ermittlungen und Strafverfolgung
Die Unabhängige Polizeibeschwerdeinstanz (DUP) übernahm die vollständige Ermittlungsführung, da es selbstverständlich ausgeschlossen war, dass die Kopenhagener Polizei in eigener Sache ermittelte. Die DUP wertete Überwachungsvideos relevanter Örtlichkeiten aus, nahm Zeugenaussagen auf und analysierte die Dienstprotokolle der beschuldigten Beamten sowie GPS-Daten der Streifenfahrzeuge, um Zeitpunkte und Orte der mutmaßlichen Raubstraftaten zu rekonstruieren.
Die Staatsanwaltschaft prüfte anschließend, ob hinreichende Grundlagen für eine Anklageerhebung vorlagen. Raub ist nach dänischem Strafrecht eine schwere Straftat, die gemäß § 288 des Strafgesetzbuches mit bis zu sechs Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann — unter erschwerenden Umständen, etwa wenn die Tat von einer Person mit hoheitlichen Befugnissen begangen wird, kann die Strafe noch höher ausfallen.
Bedeutung des Falls für das Vertrauen in die Polizei
Unabhängig vom endgültigen Ausgang des Verfahrens hinterließ der Fall deutliche Spuren in der öffentlichen Debatte über die Rolle der Polizei und das Vertrauen der Bürger in staatliche Behörden. Vertrauensumfragen, die im Nachgang des Falls durchgeführt wurden, verzeichneten einen spürbaren, wenngleich vorübergehenden Rückgang des Vertrauens der Dänen in die Polizei — insbesondere in Kopenhagen. Soziologen und Kriminologen wiesen darauf hin, dass Fälle von Korruption und Amtsmissbrauch innerhalb der Polizei besonders schädlich für den Rechtsstaat seien, weil sie das Fundament des gesellschaftlichen Vertrags zwischen Bürger und Staat angreifen.
Die Kopenhagener Polizei leitete im Zuge des Falls eine Reihe interner Maßnahmen ein, darunter eine verschärfte Dienstaufsicht für neue Beamte und häufigere Stichprobenkontrollen der Dienstjournale. Der Fall gilt als eines der meistdiskutierten Beispiele polizeiinterner Kriminalität in der jüngeren dänischen Rechtsgeschichte und dient bis heute als Referenzpunkt in Debatten über die Integrität der Polizei und unabhängige Kontrolle.