Sieben Tote durch Gift-Tylenol: Der ungeklärte Chicago-Fall
1982 starben sieben Menschen durch vergiftete Schmerzmittel

Sagsdetaljer
Quick Facts
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Ein Schmerzmittel wurde zur Todesfalle
Im September 1982 starben sieben Menschen im Großraum Chicago, nachdem sie vermeintlich harmlose Medizin eingenommen hatten. Extra-Strength-Tylenol-Kapseln aus gewöhnlichen Apotheken enthielten Kaliumcyanid – statt schmerzstillender Wirkstoffe.
Das erste Opfer war die 12-jährige Mary Kellerman, die am 29. September 1982 starb. Sie hatte lediglich ein Mittel gegen ihre Kopfschmerzen nehmen wollen. Kurz darauf folgte Adam Janus – sein Bruder und seine Schwägerin starben ebenfalls aus demselben Grund. Insgesamt forderte die Produktmanipulation im selben Monat sieben Todesopfer im Raum Chicago.
Tödliche Dosierung
Die vergifteten Kapseln enthielten etwa 65 Milligramm Cyanid – mehr als das 10.000-fache einer tödlichen Dosis. Die Ermittlungen ergaben, dass die Kapseln aus Produktionsanlagen an zwei verschiedenen Standorten stammten: Pennsylvania und Texas. Dies deutete darauf hin, dass die Vergiftung erfolgte, nachdem die Produkte bereits in den Apothekenregalen standen. Es handelte sich um gezielte Sabotage.
Johnson & Johnson, Eigentümer der Marke Tylenol, reagierte umgehend. Innerhalb weniger Tage wurden landesweit 31 Millionen Flaschen zurückgerufen – einer der größten Rückrufe in der amerikanischen Medizingeschichte zu diesem Zeitpunkt.
Verdächtiger ohne Beweise
James William Lewis, der auch unter dem Namen Robert Richardson auftrat, wurde verdächtigt, hinter den Verbrechen zu stecken. Er hatte einen Erpresserbrief an Johnson & Johnson geschickt, in dem er eine Million Dollar forderte. Dennoch wurde Lewis nie wegen der Morde angeklagt.
Lewis wurde jedoch wegen Erpressung zu zehn Jahren Haft verurteilt und saß davon mehr als 12 Jahre ab. Nach seiner Entlassung 1995 bestritt er jahrzehntelang jede Beteiligung an den Giftmorden. Er starb 2023 im Alter von 76 Jahren – die Frage nach seiner Schuld blieb bis zuletzt ungeklärt.