Eine seiner bemerkenswertesten Aktionen fand am 15. Februar 1933 statt, als er versuchte, die Corn Exchange Bank and Trust Company in Philadelphia als Postbote verkleidet auszurauben. Der Versuch scheiterte. Doch Sutton gab nicht auf. Am 15. Januar 1934 brach er zusammen mit zwei Komplizen durch ein Oberlicht in dieselbe Bank ein – diesmal gelang der Banküberfall.
Drei Gefängnisausbrüche
Sutton verbrachte mehr als die Hälfte seines Erwachsenenlebens im Gefängnis. Er wurde wiederholt verhaftet und verurteilt, doch sein Einfallsreichtum erwies sich als ebenso bemerkenswert wie seine Überfälle. Er entkam dreimal aus dem Gefängnis.
Die spektakulärste Flucht ereignete sich 1947 aus dem Holmesburg County Jail. Dort benutzte er eine echte Pistole, eine selbstgebaute Holzpistole und einige Uniformen von Gefängniswärtern, um sich den Weg nach draußen zu bahnen.
Am 15. Februar 1952 war alles vorbei. Sutton wurde von der Polizei in Brooklyn erkannt und verhaftet, nachdem ein Mann namens Arnold Schuster ihm gefolgt war. Seine 40 Jahre währende Karriere als Räuber war offiziell beendet.
Die Legende und das berühmte Zitat
Sutton wurde zu einer Kultfigur in der amerikanischen Kriminalgeschichte. Das lag zum Teil an seiner Fähigkeit, die öffentliche Fantasie zu beflügeln, aber auch an einem Zitat, das ihm zugeschrieben wurde: Als er gefragt wurde, warum er Banken ausraube, antwortete er angeblich: "Weil dort das Geld ist" ("Because that's where the money is"). Das Zitat wurde weltberühmt, obwohl einige Historiker seine Authentizität anzweifeln.
Nach seiner letzten Verhaftung schrieb Sutton seine Autobiografie. "I, Willie Sutton" wurde 1953 zusammen mit dem Autor Quentin Reynolds veröffentlicht. Jahre später veröffentlichte er ein weiteres Buch: "Where the Money Was" (1976), das er gemeinsam mit Edward Linn verfasste.
Willie Sutton starb 1980 und hinterließ ein Erbe als eine der faszinierendsten Figuren der amerikanischen True Crime-Geschichte. Er war kein Mörder oder Psychopath – er war ein Künstler des Raubes, ein Mann, der Intellekt und Kreativität statt roher Gewalt einsetzte.