Peter Madsen — der Erfinder, der zum Mörder wurde
Dansk enkeltdrabsmand, ubåden UC3 Nautilus i Køge Bugt, august 2017

Dansk enkeltdrabsmand, ubåden UC3 Nautilus i Køge Bugt, august 2017

Wer war Peter Madsen?
Peter Langkjær Madsen wurde am 12. Januar 1971 in Albertslund westlich von Kopenhagen geboren. Er wuchs als Jüngster in einer Familie auf, in der der Vater deutlich älter war als die Mutter. Das Verhältnis zum Vater beschrieb Madsen selbst als konfliktbeladen. Schon als Kind zeigte er eine ausgeprägte Faszination für Raketen, Motoren und Mechanik — ein Interesse, das später sein öffentliches Image prägen sollte.
Ohne formale Ingenieursausbildung gelang es Madsen, sich einen Ruf als Autodidakt und Tüftler aufzubauen. Er konstruierte drei privat gebaute U-Boote, von denen die [UC3 Nautilus](/tags/uc3-nautilus) aus dem Jahr 2008 das größte war. Er war Mitgründer von [Copenhagen Suborbitals](/tags/copenhagen-suborbitals), einem Verein mit ehrenamtlichen Mitgliedern und dem Ziel, ein bemanntes Fahrzeug ins All zu schicken. Intern galt er jedoch schnell als charismatischer, aber kontrollierender und konfliktsuchender Anführer. 2014 brach er mit dem Verein und gründete anschließend das Rocket Madsen Space Lab.
Nach außen hin wirkte Madsen exzentrisch und medienverliebt. Hinter dieser Fassade zeichneten die spätere Ermittlung und der Prozess das Bild eines Mannes mit extremen sexuellen Fantasien, sozialer Isolation und einer kontrollierenden Persönlichkeitsstruktur.
Die Tat
Am 10. August 2017 bestieg die 30-jährige schwedische Journalistin Kim Wall die UC3 Nautilus im Hafen von Refshaleøen in Kopenhagen. Sie wollte Madsen für eine Reportage über sein Leben als Erfinder interviewen. Es sollte ihr letzter Auftrag sein.
Am nächsten Morgen, dem 11. August, wurde die Nautilus in der Køge Bugt gesichtet, wo sie kurz darauf sank. Madsen wurde an Land gerettet und erklärte zunächst, er habe Wall in der Nacht zuvor auf Refshaleøen abgesetzt. Als zehn Tage später ihr zerstückelter Torso an der Küste Amagers angeschwemmt wurde, änderte Madsen seine Aussage: Wall sei bei einem Unfall an Bord ums Leben gekommen, wobei eine schwere Luke sie am Kopf getroffen habe.
Die rechtsmedizinische Untersuchung widerlegte diese Darstellung. Wall wies Stichwunden an den Genitalien auf, die ihr vor oder unmittelbar nach dem Tod zugefügt worden waren. Ihr Körper war systematisch mit Sägen und Messern zerstückelt worden; Kopf und Gliedmaßen waren mit Metallrohren beschwert und in der Bucht versenkt worden. Auf Madsens Computer fand die Polizei zudem Videos, die das Töten und Zerstückeln von Frauen zeigten.
Das Opfer
[Kim Wall](/tags/kim-wall) war 30 Jahre alt, in Trelleborg in Schweden geboren und hatte unter anderem an der Columbia Journalism School und der London School of Economics studiert. Sie hatte aus Nordkorea, Kuba, Haiti und Uganda für Medien wie The Guardian, The New York Times und Harper's Magazine berichtet und war für ihr Gespür für menschliche Geschichten aus den Randgebieten der Gesellschaft anerkannt.
Wall lebte in Kopenhagen zusammen mit ihrem Freund und war dabei, ihre Sachen für einen Umzug nach Beijing zu packen, als sie die Gelegenheit wahrnahm, Madsen zu interviewen. Ihr Tod löste in der internationalen Journalistengemeinschaft tiefe Trauer aus. Ihre Familie gründete anschließend den Kim Wall Memorial Fund zur Förderung weiblicher Reporterinnen.
Ermittlungen und Prozess
Die Kopenhagener Polizei führte unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Jens Møller Jensen umfangreiche Ermittlungen durch. Taucher und Sonarscans lokalisierten Walls abgetrennte Körperteile im Oktober 2017 in der Køge Bugt. Das technische Beweismaterial — darunter DNA-Spuren, Computerfunde und das U-Boot selbst — war entscheidend für den Prozessausgang.
Der Prozess begann am 8. März 2018 vor dem Kopenhagener Stadtgericht. Madsen bestritt die Tötung, räumte jedoch die Zerstückelung ein. Am 25. April 2018 wurde er des vorsätzlichen Mordes, der Zerstückelung sowie sexueller Übergriffe besonders gefährlicher Natur schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Østre Landsret — das dänische Oberlandesgericht — bestätigte das Urteil am 26. September 2018.
Im Oktober 2020 floh Madsen kurzzeitig aus dem Gefängnis Herstedvester, mit einer Pistolenimitation und einer fingierten Bombe um den Leib. Er wurde wenige hundert Meter vom Gefängnisgelände entfernt festgenommen.
Nachwirkung
Der Fall gehört zu den meistbeachteten Kriminalfällen der modernen dänischen Geschichte. HBO produzierte die Dokumentarserie *Undercurrent: The Disappearance of Kim Wall* (2020), später folgte die Discovery+-Serie *Løgnen om ubåden* (2022), in der Madsen in einem Gefängnisinterview den Mord de facto gestand. Der Fall wurde in Büchern aufgearbeitet, darunter Thomas Djursings *Raketmanden*, sowie in zahlreichen Podcasts, darunter Folgen von [Mørkeland](/tags/morkeland) und internationalen True-Crime-Formaten.
Der Fall löste eine breitere Debatte über die Sicherheit weiblicher Journalistinnen sowie über den Umgang von Medien mit charismatischen Protagonisten aus. Peter Madsen verbüßt seine lebenslange Freiheitsstrafe bis heute.